2009/07/09

WILHELM TELL – das Theaterspektakel zur Eröffnung der Kulturarena Jena 2009
 

Besetzung:
Hermann Gessler, Reichsvogt in Schwyz und Uri: Gunnar Titzmann
Werner, Freiherr von Attinghausen, Bannerherr: Kai Meyer
Ulrich von Rudenz, sein Neffe: Ralph Jung

Landesleute aus der Schwyz
Werner Stauffacher: Saskia Taeger

aus Uri
Walther Fürst: Zoe Hutmacher
Wilhelm Tell: Vera von Gunten
Rösselmann, der Pfarrer: Andreas Waidosch a. G.
Kuoni, der Hirte: Bernhard Dechant a. G.
Ruodi, der Fischer: Ralph Jung

aus Unterwalden
Arnold vom Melchtal: Julian Hackenberg
Konrad Baumgarten: Ulrich Reinhardt
Gertrud, Stauffachers Gattin: Bernhard Dechant a. G.
Hedwig, Tells Gattin, Fürsts Tochter: Grazia Pergoletti a. G.
Berta von Bruneck, eine reiche Erbin: Waltraud Steinke-Löscher a. G.

Tells Knaben
Walther: Hannah Heinzelmann
Wilhelm: Emma Heinzelmann, Paula Cramer (abwechselnd)

Sowie Mitglieder des Jugendtheaterclubs und zahlreiche Mitwirkende aus Jena und Umgebung.


Regie: Markus Heinzelmann Bühne: Gregor Wickert Kostüme: Anne Buffetrille Musikikalische Leitung: Vicki Schmatolla Arrangement: Nikolaus Woernle Musiker: Mitglieder der Brass Band BlechKlang Jena und der BMV Old Stars Video: Heiko Kalmbach Choreografie: Antonio Cerezo Dramaturgie: Martin Wigger

Aufführungstermine: 09. / 10. / 11. / 12. Juli 2009, 21:30 Uhr, Theatervorplatz

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Zwei Gründe haben uns veranlasst, mit »Wilhelm Tell« die diesjährige Kulturarena zu eröffnen – wobei schon der erste Anlass genug sein dürfte: der 250. Geburtstag des Autors Friedrich Schiller! Der zweite Grund: natürlich der Sommer! Dazu passgenau ein Klassiker, der wie kaum ein anderer größten Openair-Charme versprüht: »Wilhelm Tell«. Und als wäre es kein Zufall: das ganze Spektakel mit Blick auf das Jenaer Sommerhaus des Autors!

Unser Sommer beginnt mit einer Reise: in die Schweiz – zu hohen Bergen, tiefen Tälern, dunklen Seen. Wer kennt es nicht: Durch diese hohle Gasse muss er kommen, Die Axt im Haus erspart den Zimmermann – den Rütlischwur – den Apfelschuss? Mit Tell verbinden sich zahlreiche phantastische Bilder. Und die Sehnsucht nach Natur, Freiheit und gemeinsamer Kraft und Leidenschaft. Denn Wilhelm Tell ist ein Freiheitskämpfer wie aus dem Bilderbuch.
Die Geschichte beginnt direkt am Vierwaldstättersee: ein Hirte, ein Jäger, ein Fischer und ein aufziehendes Unwetter. Plötzlich erscheint aufgeregt ein Flüchtling, der über den See gerudert werden möchte: Konrad Baumgarten, der den Burgvogt von Unterwalden erschlagen hat. Gerade so eben schafft er die rettende Überfahrt; zur Vergeltung verheeren die Verfolger Hütten und Herden der Seebewohner.
Schon lange gärt hier die Empörung über die Habsburgische Besatzung: es sind vor allem der angesehene Bürger Werner Stauffacher und Walther Fürst, der Schwiegersohn Tells, die beschließen, gegen die Unterdrückung zu kämpfen und die Freiheit der Schweiz wiederherzustellen. In der legendären nächtlichen Zusammenkunft auf dem Rütli beschwören sie – als Bündnis zwischen Schwyz, Uri und Unterwalden – ihre Vorstellung einer gewaltlosen friedlichen Revolution. Noch ist Tell nicht dabei; er schließt sich dem Aufstand erst an, als er dem Landvogt Gessler, dem er nicht ausreichend Reverenz erwiesen hat, eine sonderbare Strafe verbüßen muss: dem eigenen Sohn auf 80 Schritt Entfernung einen Apfel vom Kopf zu schießen. Zum Glück gelingt der Schuss. Doch die Erwiderung Tells, er hätte sonst den Landvogt selbst erschossen, führt zur sofortigen Verhaftung. Tell kann entkommen, rächt sich bei Küssnacht (in der hohlen Gasse!) mit einem nun tödlichen Pfeil an Gessler und wird zum großen Befreier ausgerufen. Da trifft auch die Nachricht ein, dass der Kaiser durch die Hand seines eigenen Neffen getötet worden ist. Eine Rache muss er nun nicht mehr befürchten. Wilhelm Tell ist seinen eigenen Weg gegangen und fast wider Willen zum Helden geworden, indem er sich sein eigenes Recht genommen hat. Wieweit muss der Mensch sich denen, die das Sagen haben, unterwerfen? Zu freien Bürgern sind nun alle geworden, und selbst die Liebe findet am Ende ihr Ziel, zumindest für das Burgfräulein Berta von Bruneck.
Der alte Urstand der Natur kehrt wieder. Wie kaum ein anderes Stück von Friedrich Schiller macht Wilhelm Tell vor allem eins: Mut. Der Mensch wird sich seiner eigenen Stärke bewusst; die beste Voraussetzung, um sich fortan von nichts und niemandem mehr fremd bestimmen zu lassen. Eigentlich ein ganz einfacher Weg. Wie schwer es immer wieder in der Praxis ist, sich von vorgegebenen Strukturen und Ordnungen frei zu machen, weiß man aus eigener Erfahrung. Aber gerade in Zeiten von Finanzcrash und Konjunkturpaket liegt es vielleicht doch auch nahe: dichter aneinander zu rücken, den frischen Sommerhimmel über sich zu spüren und zunächst im Theater der Idee grenzenloser Freiheit nachzuhängen...

Johann Christoph Friedrich Schiller wird am 10. November 1759 in Marbach am Neckar geboren. Auf Wunsch des Herzogs Karl Eugen tritt Schiller schon mit 13 Jahren in die Militärakademie, des Württembergischen Landesfürsten ein. Ab 1775 studiert er Jura, später Medizin und wird anschließend Militärarzt in Stuttgart. Am 22. September 1782 flieht Schiller aus der Garnison des Herzogs, arbeitet ein Jahr als Bibliothekar in Meiningen und anschließend als Theaterdichter in Mannheim bevor er auf Einladung Theodor Körners 1785 nach Leipzig und Dresden kommt.
Auf Fürsprache Goethes, den er 1788 kennen lernt, wird der Dichter zum außerordentlichen Professor für Geschichte und Philosophie an die Universität Jena berufen und erhält zudem wegen seines dauerhaft schlechten Gesundheitszustandes ab 1790 eine finanzielle Unterstützung vom Herzog von Meinigen. Im selben Jahr heiratet er seine Verlobte Charlotte von Lengenfeld. Gemeinsam ziehen sie 1799 nach Weimar, wo sich eine enge Freundschaft mit Goethe entwickelte. In kurzer Zeit erscheinen seine bekanntesten Dramen, die ihn zum überall gefeierten Dichter werden lassen. 1805 verschlechtert sich sein Gesundheitszustand erneut dramatisch. Er stirbt am 9. Mai in Weimar.

Text by: THEATERHAUS JENA dorthin...